Makiwara Praxis

Die sieben Koordinationen

 

Shichido

"YO I"
Vorbereitung: Erreichen des "Reinen Herzens"


Die linke Hand hält den Yumi (Bogen), die rechte Hand hält den Ya (Pfeil) in entspannter und aufrechter Weise, wobei drei gerade Linien entstehen: Yumi, Körper und Ya.

Denke dir diese drei als Einheit. Die Füße sind gerade und stehen von den Zehen bis zur Ferse parallel zueinander, der Abstand hat die Breite einer Faust. Die Augen blicken leicht abwärts ohne sich auf irgendetwas zu konzentrieren. Der Körper ist vollständig bereit und "lauscht". Er ist offen und entspannt. So wie sich der Körper öffnen und entspannen kann, so kann es der Geist (und umgekehrt). Du bist wie ein leeres Gefäß, bereit und wach, aber ohne Inhalt.



 ”YUMIDAOSHI”
 Senken des Yumi


Langsam, natürlich atmend, führe deine rechte Hand zur Spitze des Ya, dann senke Yumi und Ya gleichzeitig zur Hüfte, sodass die Arme einen Kreis in einer vertikalen Ebene bilden. Die Spitze des Yumi zeigt abwärts und berührt nahezu den Boden in der Mitte vor dir. Yumi und Ya liegen in einer Ebene und bilden eine V-Form, welche sich weiter nach hinten erstreckt.
 

 

Die Sieben Koordinationen (Shichido)

1. ”ASHIBUMI”
 Setzen der Schritte


Das Ziel lädt dich ein, so wie man den Klang einer Tempelglocke hört, und du fühlst dich auf natürliche Weise hingezogen. Dein Kopf dreht sich mit voller Aufmerksamkeit langsam dem Ziel zu. Blicke geradeaus auf das Ziel und suche dir einen bestimmten Punkt. Von diesem Punkt aus ziehe eine Linie abwärts zum Boden, so als verfolgtest du, wie eine Spinne sich an ihrem Seidenfaden herunterläßt, oder wie eine Schneeflocke zur Erde fällt. Verlängere diese gerade Linie bis zu dir, strecke den linken Fuß aus und setze deinen großen Zehen auf diese Linie. Führe die Blickbewegung fort und setze den rechten Fuß auf gleichen Abstand von deiner Mitte. Die Füße sind um ungefähr 45 Grad nach außen gedreht. Schließlich drehe deinen Kopf nach vorne und versichere dich, dass der Yumi genau in der Mitte vor dir ist. Die Beine knicken nur leicht bei dieser Bewegung ein und strecken sich dann wieder gerade.



2. ”DOZUKURI”
Setzen des Körpers


Festige deinen Stand vom Becken abwärts wie ein Baum, dessen Zweige sich zum Himmel ausbreiten, aber dessen Wurzeln fest in die Erde gepflanzt sind. Spanne die Muskeln im Gesäß und in den Oberschenkeln, versperre die Knie und drücke sie einwärts, sodass die Waden leicht nach außen gedreht sind. Die Füße sind fest verankert. Der Oberkörper ist aufgerichtet, so als ob ein Faden deinen Kopf leicht zum Himmel zöge. Entspanne die Schultern. Spüre ungestört die Umgebung. Füße, Hüften und Schultern bilden parallele Linien in einer vertikalen Ebene.
Wenn du diese "Verbindung von Himmel und Erde" erreicht hast, dann tue folgendes:
Hebe den Yumi und setze ihn außerhalb oder in die Mitte des linken Knies. Achte darauf dass dein Ellbogen sich dabei nicht senkt. Halte den Yumi locker mit der linken Hand und ergreife die Tsuru (Sehne) mit dem ersten und zweiten Finger und mit dem Daumen oder nur mit dem kleinen Finger der rechten Hand und drehe den Yumi. Lege den Ya ein und streiche zweimal von oben, einmal von unten über seine Federn. Nun raste den Ya in der Tsuru ein. Kehre mit der rechten Hand zurück zur ursprünglichen Stellung an der Hüfte, (so als würdest du den Schulterpanzer der Samurai zurechtrücken).


3. ”YUMI GAMAE”
Setzen des Bogens


Führe die rechte Hand zur Tsuru, wobei der kleine Finger und der Ringfinger fest in die Handfläche gekrümmt sind und führe den Daumen des Kake (Handschuh) über die Tsuru bis zum Einrasten. Der Daumen drückt in die Kehle des ersten Gelenks des Mittelfingers. Der Zeigefinger ruht auf der Oberseite des Mittelfingers. Drehe die Kake-Hand leicht in deine Richtung. Die Arme sind in runder Form ausgebreitet, als ob sie den Stamm eines großen Baumes umschließen würden. Der Kopf dreht sich langsam zum Ziel, so dass das Gesicht ins Profil kommt. Als nächstes schwenken die Arme ca. 45 Grad in Richtung Ziel, wobei sie stets die Form der Baumumarmung bewahren, welche nun oval wird. Der Griff der linken Hand ist locker, so dass sich der Yumi darin leicht drehen kann, während die Arme zum Ziel schwenken.








 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 



4. ”UCHI OKOSHI”
Aufrichten zum Schießen


Ausgehend von der vorigen Stellung, hebe den Yumi langsam gerade nach oben bis sich der Ya in Scheitelhöhe befindet - stets mit dem Gefühl, als ob du einen Baum umarmst. Der Kopf bleibt stets direkt auf das Ziel gerichtet, und neigt sich weder auf noch abwärts. Die Augen blicken über den linken Unterarm, welcher mit ca. 45 Grad aufwärts gerichtet ist. Die Augen fixieren das Ziel wie ein Tiger, der seine Beute schlagen will. Die Schultern sind entspannt.


 


 





5. ”HIKI TORI”
Drücken und Ziehen


Hier gibt es zwei unterschiedliche Bewegungen: der linke Arm drückt von der Schulter weg, während der rechte Arm seine Stellung behält. Die Kontaktstelle zwischen linker Hand und Yumi ist das Hautgewebe zwischen Daumen und Zeigefinger, genannt das Tenouchi (Tigermaul). Drücke nicht mit dem Handballen. Die Bewegung wird weich und rund fortgesetzt, der rechte Arm zieht die Tsuru in einem großen Bogen über die Ohrenspitze, wobei der Ursprung der Kraft im Ellbogen, nicht aber im Handgelenk liegt. Der linke Arm drückt immer weiter, aber streckt sich nicht völlig. Wenn die Zugbewegung vollendet ist, befindet sich der Ya in der Höhe deines Mundes. Das Verhältnis des Kraftaufwandes beträgt 70% Druck zu 30% Zug. Der linke Handrücken ist waagrecht, nicht aufwärts gerichtet. Der kleine Finger der linken Hand hält den Yumi fest; die anderen Finger sind entspannt. Der Griff der rechten Hand bleibt leicht einwärts gedreht, einerseits um die Tsuru von der vorzeitigen Loslösung zurückzuhalten, andererseits um den Ya in Stellung zu halten. Das Kinn leicht eingezogen, blicke mit dem rechten Auge auf den Punkt des Zieles, aber halte beide Augen offen. Der Punkt des Zieles ist an der linken Seite des Yumi und oberhalb des Griffes sichtbar.
 


6. ”KAI”
Gleichgewicht


Bei Kai fühle die fünf Kreuze, um deinen Körper in volles Gleichgewicht zu bringen. Atme gleichmäßig und natürlich. Der Augenblick des Loslassens "reift". Die Arme sind ausgestreckt mit dem Gefühl, waagrecht auseinander gezogen zu sein.

Die Beine sind fest verankert. Oberkörper und Kopf sind aufgerichtet in einem Kreis des Gleichgewichts, welcher sich ausdehnt, bis der Augenblick des Loslassens geschieht. Es ist wie ein Druck, der die gesamte Oberfläche eines Ballons aufbläht.

 

 

 

 



Das fünffache Kreuz (Goju jumonji)


Wenn ein Tischlermeister ein Haus baut, so muss er sicherstellen, dass jeder Träger gerade und jede Kreuzung rechtwinkelig ist.

Im Kyudo müssen Pfeil und Bogen, Handschuh und Bogensehne, Bogen und Griff, Oberkörper und Schultern, sowie Nacken und Pfeil zueinander senkrecht stehen. 1. Yumi und Ya (Bogen und Pfeil) Der Yumi bildet mit dem Ya ein Kreuz, welches weder auf noch abwärts geneigt ist. 2. Yumi und linker Handgriff Der Yumi bildet ein Kreuz mit dem Griff. Der Handrücken steht waagerecht und ist nicht geneigt. 3. Tsuru (Sehne) und rechter Handgriff Der Daumen (nicht der Handschuh) bildet mit der Sehne ein Kreuz und zeigt in Richtung des Ziels. 4. Schultern und Oberkörper Die Symmetrielinie des Oberkörpers bildet mit den Schultern ein Kreuz. Das Ziel liegt in der Ebene dieses Kreuzes. 5. Ya und Halswirbelsäule Die Halswirbelsäule bildet mit dem Pfeil ein Kreuz. Der Nacken soll nicht gebogen sein, das Kinn zeigt direkt auf das Ziel.


 
7. ”HANARE”
Loslassen


Wenn der Augenblick des Loslassens gereift ist, schlägt die Kake-Hand nach rechts außen wie ein Schwert, das im Ellbogen drehbar gelagert ist. Dein Blick folgt dem Ya zum Ziel.


”ZANSHIN”
Verweilen bei Geist und Körper


Nach Hanare halte Kopf und Arme in dieser Stellung, folge dem Weg des Pfeils. Erlaube deinem Geist in diesem Raum zu verweilen.




”YUMIDAOSHI”
Senken des Yumi


Zunächst drehe deinen Kopf langsam nach vorne. Führe Yumi und rechte Hand gleichzeitig mit einer bogenförmigen Bewegung zurück zur Hüfte. Schließe die Beine, zuerst das linke, dann den rechte Bein. Dazwischen bewahre wiederum den Abstand von der Größe einer Faust. Hole den Pfeil in angemessener Weise zurück.



Die Sieben Hindernisse
Übertriebene Fröhlichkeit Yorokobu
Ärgerlichkeit Okoru
Besorgnis Urei
Denken Omou
Traurigkeit Kanashimu
Angst Osoreru
Überraschung Odoroku

WienerBerg Kyudojo

1100 Wien, Eibesbrunnergasse 13

Dies ist die offizielle Internetseite der Wiener Kyūdōgruppe GAKO-Kyūdōjō (Bergtiger-Kyūdōgruppe), die von Kanjuro Shibata Sendai XX. autorisiert wurde.

ZENKO, die Dachorganisation aller Kyūdōgruppen dieser Richtung, wird geleitet von Shibata XXI. Sensei.
Gako-Kyūdōjō ist als vereinsrechtlich als „Japanisch-österreichischer Kultur- und Sportverein KAI“ (ZVR 339931159) organisiert und Mitglied des ASKÖ.