Kyudo bedeutet wörtlich ‚Bogen-Weg'. Der Weg des Bogens folgt - wie andere traditionelle japanische Künste - KEN-DO (Schwertweg), JU-DO (Sanfter Weg), KA-DO (Ikebana), CHA-DO (Teeweg), SHO-DO (Kalligraphie) u.a.m. der Idee des japanischen Begriffs ‚do', der mit dem deutschen Wort ‚Weg' nur unzureichend wiederzugeben ist. In der japanischen Silbe 'do' schwingt die reiche Bedeutungsfülle seiner chinesischen Wurzel ‚tao' mit, jenem zentralen Begriff in der Philosophie des legendären Laotse , wie er in dem ihm zugeschriebenen‚ Tao te King' bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. auftaucht und geprägt wurde.

Kyudo ist also – auf die knappste Formel gebracht – der Versuch, die Idee des ‚tao' über die Kunst des Bogenschießens zu verwirklichen.

Diese direkte begriffliche Verbindung von Kyu und do/Tao also der Begriff Kyudo, wurde allerdings erst etwa 1660 von einem Kyudomeister namens Morikawa Kosan eingeführt, dem Gründe der Yamato Kyudorichtung.

Aber bereits zu Laotses Zeiten war ein zeremonielles Bogenschieße in chinesischen Adelskreisen üblich. Konfuzius, ein Zeitgenosse von Lao-tse, erwähnt das Bogenschießen bereits als vorzügliches Mittel der Charakterbildung. So wird es etwa im Kap 43 des 'Buchs der Riten', einem der fünf klassischen konfuziaischen Bücher, ausführlich beschrieben. Dieses zeremonielle Bogenschießen – japanisch Rei-sha genannt – gelangte bereits um das 5. Jh von China nach Japan und es entstanden die ersten Kyudoschulen.

Natürlich wurde der Bogen auch als Kriegswaffe benützt. Ab der sogenannten Kamakura-Periode, also ab dem 13. Jh. wurde Kyu-jutsu – die Technik des Bogenschießens – zu einer zentralen Kriegsdisziplin des Bushido, des Wegs des Kriegers. Der Bogen als Waffe war dabei nur den höheren Samuraifamilien vorbehalten. Diese Kriegstradition der Samurai ist für unsere heutige Kyudo-Praxis als historische Wurzel von eher untergeordneter Bedeutung und sie endet auch ziemlich abrupt mit dem Aufkommen der Feuerwaffen in Japan ab 1575.

Die andere „geistige“ Tradition des Kyudo blieb davon unberührt Kyudo wurde in der langen Friedenszeit der Tokugawa-Periode (etwa 1600-1860) auch in buddhistischen Klöstern praktiziert. Seit Eugen Herrigels bekanntem Buch „Zen in der Kunst des Bogen- schießens“ (1948) findet Kyudo vermehrt auch im Westen Anhänger.

Der technische Ablauf des Kyudo kann in einigen Wochen erlernt werden. Die zunehmende Beherrschung der Form, ihre Vertiefung und Verfeinerung zur Kunst eröffnet eine über Jahre führende, spannende Entwicklung und Auseinandersetzung mit der eigene Persönlichkeit.

Kyudo kann gleichermaßen von Frauen und Männern ab etwa 16 Jahren ohne Alterslimit betrieben werden
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